Vortrag und Ausstellung vor der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V. in Berlin April 2000

Dipl.-Informatiker Dieter Baumgarten e-mail    post @ Dieter-Baumgarten.de  Internet www.indiacoins.de


Münzgeschichte Indiens (Kurzfassung)

 

 

Erste Münzen  Indiens

Die Besiedlung des Indus-Gebietes von Mohenjo-Daro und Harappa geht zwischen 2500 v.Chr. und 1750 v.Chr. zurück. In dieser Zeit wurde bereits mit vormünzlichen Geldformen wie Kauris (Porzellan-Schnecken) und gekörntem Goldstaub (1200 v.Chr.) gezahlt. Kauris wurden auf Schnüren gefädelt und waren sogar noch Anfang des 20. Jahrhunderts in begrenzten

Gebieten Zahlungsmittel. (1 Anna = 240 Kauri in Bengalen)

 

Ob die gefundenen Stempel aus dieser Zeit bereits Zahlungsmittel waren bleibt umstritten.

Die ersten Münzen Indiens wurden Ende des 6. Jahrhunderts v.Chr. in Madhyadesha (Zentral-Indien) geprägt. Obgleich einige Historiker behaupten (auf Auslegung von Veda-Verse), dass bereits im 8. Jahrhundert v.Chr. in Indien Münzen geprägt wurden.  Korrekt belegt sind aber literarisch und archäologisch die ersten Prägungen zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert v.Chr.  Diese Münzen sind bekannt als Punch-Marked Münzen. Es sind in der Regel Siberplättchen oder Klumpen in unregelmäßiger Form gegossen, aber mit spezifischen Gewicht. Es wurden Standardgewichte auf Grundlage des Gewichtes des Gunjapflanzen-Samens aufgestellt, die  noch bis in das 19. Jahrhundert Grundlage für die indische Münzprägung bildete. (Rati - 8-9 Samenkörner ergeben ein Gramm.

 Einseitig wurden 1 bis 7 Symbole nach bestimmten Muster eingeschlagen. Tiere, Hügel, Bäume, Menschen oder geometrische Formen wurden symbolisch dargestellt. Schrift war (obwohl schon existent) nicht zu finden. Zuerst wurde es durch Kaufmannsgilden als Gildengeld herausgegeben und später durch die Staaten (Janapadas bzw. Mahajanpadas) als Silber- und Kupfermünzen im gesamten  Indien verbreitet.

 

 

Maryanisches Reich

Einen zweiten Aufschwung erhielt diese Münzprägung im Kaiserreich der Mauryan (310-181 v. Chr.), eins der größten Reiche Indiens überhaupt. Der letzte große Kaiser dieses Reiches, Ashoka (273-232 v.u.Z.), wurde stark von der buddhistischen Philosophie beeinflusst.

Er erstellte ein Gesetzbuch der Menschlichkeit und errichtete Steinstelen und beeindruckende buddhistische Stupas (Kuppelförmige Bauwerke) . Man glaubt, dass Ashoka 85.000 Stupas und Stelen mit eingravierten Buddha-Lehren aufstellen lassen hat Auf einer runden Steinplatte sitzen Rücken an Rücken 4 Löwen und schauen in die 4 Himmelsrichtungen. Die Platte ist verziert mit Stier, Elefant, Löwe, Pferd. Zwischen ihnen jeweils Speichenrad - "Rad des Gesetzes" (buddhistisches Rad der Lehre - Dharmachakra). Das berühmte Löwen-Kapitell , glänzend aus poliertem weißem Sandstein von indischen Künstlern im Auftrage von Ashoka erschaffen steht bei Sarnath (im heutigen Madhya Pradesh).  Es ist heute das nationale Emblem der Republik Indien geworden. Auf allen Münzen und Banknoten von Indien ist die "Ashoka-Säule zu finde.

 


Baktrisches (Indo-Griechisches) Reich

 

Eukratides 4 dr.Durch die Feldzüge Alexander des Großen kam Nordindien unter indo-griechischen Einfluss (Baktria) und auch die Münzgestaltung wurde dadurch stark beeinflusst.

Die Münzen zeigten den jeweiligen Herrscher und Götter der griechischen Mythologie. Die Beschriftungen war zweisprachig, in griechisch und der alten indischen Prakrit-Sprache, geschrieben in Kharoshti-Schrift.  Die Bilder waren sehr realistisch, das zeigt, dass die Graveure alle aus der gleichen Schule stammen und sich gut in der griechischen Kunst auskannten

Ein Indo-Griechischer Herrscher prägte sogar Münzen in  quadratischer Form in Anlehnung der Punch-Marked Münzen.

 

 

 

Kushan-Reich

Die von Norden einfallenden Stämme vereinigten sich und gründeten das mächtige Kushan-Reich im 1. Jahrhundert. Es wurden sehr schöne Goldmünzen nach Vorbild der indo-griechischen Münzen herausgegeben. Die Darstellung des Königs auf der Vorderseite und auf der Rückseite Hindu-Götter (selten bei Buddhisten und Zorostraian) Tempel wurde so populär, dass es für mehr als 6 Jahrhunderte in Indien auf praktisch allen Goldmünzen verwendet wurde und auch später in veränderter Form bis zum  10. Jahrhundert in China. Vima prägte wie die indo-griechischen Könige zweisprachige Münzen. Abgesehen von den indo-griechischen Prägungen kannte man in Indien keine Herrscherabbildungen auf Münzen.

 

 

Gupta-Reich

Die Gupta-Münzen (4.-6. Jahrhundert) folgten der Tradition des Kushans und der indo-griechischen Münzen. Der König wurde auf der Vorderseite und ein Gott auf der Rückseite bildlich dargestellt;  die Götter waren indisch und die Legenden in Brahmi-Schrift. Die frühesten Münzen Guptas werden Samudragupta, Chandragupta II zugeschrieben und Kumaragupta. Die Goldmünzen zeigen häufig Opferszenen mit König oder sozial-politischen Ereignissen (Heiratsbündnisse, Taten von königlichen Familienmitgliedern usw.) und auf der Rückseite Götter (z.B. die kushanische Erdgöttin Ardoksho). Die Silbermünzen zeigen das Herrscherbildnis mit dem Königsnamen als Legende und auf der Rückseite erst die satrapischen dreibogigen Hügel, dann den Vogel-(Glücks)-Gott , später den Pfau. Nur vereinzelt sind Kupfer- und Bleimünzen bekannt.  Die Hindukultur erlebte in der Gupta-Zeit ihren Höhepunkt. Das "Goldene Zeitalter" spiegelte sich in den Münzen wieder.

 


Post-Gupta Münzen

Post-Gupta-Prägungen (6.-12. Jahrhundert), werden durch eine monoton dargestellte und ästhetisch weniger interessante Reihe von Herrschern bestimmt.  Goldmünzen sind sehr selten.  Erst durch Gangeyadeva, dem Herrscher von Kalachuri, wurden sie durch die Ausgabe der "Sitzenden Lakshmi"-Münzen wiederbelebt, die durch spätere Herrscher kopiert und auch gefälscht wurden. Das Buckelrind und Reiter waren die häufigsten Motive, die auf Münzen der Rajpur-Herrscher herausgegeben wurden. In Westindien wurde gerne mit importierten Münzen gehandelt, wie z.B. mit dem Byzantinischen Solidi aus dem regen Handel mit dem Ost-Römischen Reich.

 

Sitzende  Lakshmi

 

Entwicklung Südindiens

 

Die Entwicklung im Norden und Zentral-Indien hatte nicht immer gravierenden Einfluss auf die Entwicklung im Süden. Unter König Rajaraja (985-1016) begannen die Cholas ihre Machtergreifung im Süden Indiens. Sie eroberten Gebiete der Cheras und Pandyas. Mit ihrer Seeflotte eroberten sie die Lakkadiven, Malediven und gesamt Ceylon. Die Symbole und die Motive auf den südindischen Münzen waren beschränkt auf die herrschende Symbolik wie dem Eber (Chalukya), Stier (Pallava), Tiger (Chola), Fischen (Pandya und Alupas), Bogen und Pfeil (Cheras) und Löwe (Hoysala) usw. . Götter sind bis zur mittelalterlichen Vijayanagaar-Periode (14. - 16. Jahrhundert) fast nie zu finden.  In Südindien entwickelte sich aber auch der Larin als gehämmerter Silberdraht oder gebogener Fischhaken (950er Silber) zum Zahlungsmittel.

Auch die moslemischen Eroberer hatten mit der Eroberung Südindien Problem. 1000 bis 1300 n. Chr. herrschte die Hooysala-Dynastie mit den Zentren in Belur, Haebid und Somnathpur. Sie unterlagen aber später den ständigen Angriffen der Moslems und der vereinigten Hindu-Königreiche.

Zwei andere Königreiche entstanden nördlich des heutigen Karnataka, das Hindu-Reich mit Hauptstadt Hampi (gegründet 1336 von Vijayanagar) und ein Moslem-Reich im Norden. (Sultanate von Delhi).

 

 

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