Vortrag und Ausstellung vor der Deutsch-Indischen
Gesellschaft e.V. in Berlin April 2000
Dipl.-Informatiker Dieter Baumgarten e-mail post @ Dieter-Baumgarten.de Internet www.bharat.de
Münzgeschichte Indiens (Kurzfassung)
Indische Münzen geprägt in ausländischen Münzstätten
In der Zeit von 1981- 86,
besonders 1985-86, musste auf Grund
falscher Planung der Nachfrage von Münzen und niedriger Produktivität der
indischen Münzstätten bei ausländischen Münzen Geldprägungen in Auftrag gegeben
werden. Eine Zeit lang war man der Meinung, dass die Kapazität der 3
existierenden Münzstätten ( Mumbai, Kalkutta und Hyderabad) zur Deckung des
Bedarfes ausreicht. Zur Materialabsicherung wurden erhebliche Mengen
Münzrohlinge für Rupie, 50 und 25 Paise über Hyndai Corporation aus Seoul
importiert (Südkorea). Diese wurden auf alle 3 Münzen aufgeteilt. In Hyderabad
wurden die ersten Rupien mit diesem Material 1984 geprägt, weitere 1985 und
1986. Diese Münzen scheinen einen scharfen aufrechten Rand zu haben, während
aus indischen Material geprägte Münzen abgerundete Ränder haben. Die Einfuhr
von Münzrohlingen reichte aber zur Bedarfsabdeckung der Rupien und 50
Paise nicht aus. Auf Grund dieser
Notlage mussten indische Münzen bei fremdländischen Münzstätten in Auftrag
gegeben werden. Anlagen zur Erstellung des typischen Sicherheitsrandes bei Rupien wurden nur an den britischen
Münzen gefunden und daher gingen Aufträge an 2 britische Münzen zur Prägung der
Rupie-Münzen. Ebenso gingen Aufträge für 50 Paise an Seoul (Südkorea) und 25
Paise an Ottawa (Kanada). Alle diese Prägungen sind datiert mit "1985". Alle diese für die
allgemeine Zirkulation bestimmten Münzen waren aus Kupfer Nickel. Aber auch in
den weiteren Jahren wurden immer wieder im Ausland geprägt oder Münzrohlinge
importiert.
Die eingesetzten
Münzmaterialen brachten immer wieder Probleme. Die Münzen nutzten sich schnell
ab. Skrupellose Händler horteten und schmelzen teilweise Münzen um hochwertige
Metalle zu extrahieren. Der Wert des Münzmaterials (Nickel, Kupfer, Aluminium)
überschritt bald den Nominalwert, insbesondere der 25 und 50 Paise-Münzen. Also
entschied man sich für eine kostengünstigere rostfreie Stahllegierung (als
Gegenstück für die Kupfer-Nickel-Legierung).
Obwohl die
Produktionskosten erheblich höher als bei Aluminium-Münzen liegen, wird die
Stahlprägung favorisiert, da gerade Stahl in genügenden Mengen aus dem eigenen
Land kommen kann und langfristig gesehen daher günstiger kommt.
1988 wurde zwar eine neue
indische Münzstätte in Noida (Nähe New Delhi) in Betrieb gegangen, aber der
Bedarf an Münzen konnte nicht gedeckt werden. Viele Maschinen in den
Münzprägestätten waren überholungsbedürftig bzw. unmodern. Die Qualität der
Münzen war seit den 60er Jahren mit Beginn der Aluzeit schon recht miserabel.
Viele Abweichungen zwischen den Prägungen lassen nicht nur Münzsammler
verzweifeln. Mit großen Anstrengungen versucht man die 4 Münzstätten zu
modernisieren. Die Münzstätte Noida war speziell für die Prägung von
Stahlmünzen eingerichtet. Ab April 1988 wurden hier 10, 25 und 50 Paise
geprägt. Zuerst mit importierten Münzrohlingen (z.B. unter Beteiligung von
Firmen wie Krupp VDM Deutschland), später von landeseigenen Quellen.
Noida ist auch gleichzeitig die führende
Münzstätte für die generelle Produktion von Stahlmünzen - vom Know-how bis hin
zur Herstellung der Münzstempel.
Da aber zur Umstellung
noch einige Zeit benötigt wurde, gab man zusätzliche Aufträge an die
"Königliche Kanadische Münze" in Ottawa zur Produktion von 10, 25 und
50 Stahl-Paise. Diese Münzen sind mit 1988 und haben als Münzzeichen ein
"C" unter dem Datum.
25 Paise Cu-Ni 1985
Soul (Südafrika)
50 Paise Cu-Ni 1985
Ottawa (Kanada)
1 Rupie Ci-Ni 1985
Birmingham u. London (England)






10 Paise 1988 in
Ottawa (Kanada)
25 Paise 1988 in
Ottawa (Kanada)
50 Paise 1988 in
Ottawa (Kanada)
1 Rupie 1997 Mexico-City (Meico); 1997/98 Kremnica
(Slowakai); 2000 Moskau (Russland)?
2 Rupies 1997 Mexico-City (Meico); 1997/98 Seoul
(Südkorea); 1998/99? Pretoria
(Südafrika)
5 Rupies (noch aus
Kupfer-Nickel?) 2000 Moskau (Russland)?
Auch 1996-98 war die Nachfrage nach Münzen wieder
höher als die Produktion, so dass bereits zum dritten Mal ein
Münzprägungsauftrag in das Ausland gegeben wurde. Diesmal nach Mexiko, 1.000
Millionen 1-Rupie-Stahlstücke, 1997 geprägt und Januar 1998 ausgeliefert. Auf
Grund der steigenden Rohstoffpreise wurde auch ein ähnlicher Auftrag für die
2-Rupie-Stücke an Mexiko gegeben. Auch diese Stücke waren aus Stahl und datiert
1997, Auslieferung an Indien im März 1998. Von der Form und Aussehen waren sie
identisch mit den ebenfalls noch zirkulierenden 2-Rupie-Stücke (Nationale
Integration) aus Kupfer-Nickel. 1 Rupie-Stücke wurden auch in Kremnica
(Slowakei - älteste Münze in Mitteleuropa) 1997 und 1998 geprägt. Aufträge für
2-Rupie-Münzen gingen nach Soul (Südkorea 1997-1998) und Pretoria (Südafrika
1998/1999?). In Südafrika wurden z.B. 1998 150 Million 2-Rupie-Münzen
produziert, die gleiche Anzahl wollte man auch für 1999 erreichen.
Als letzte Münzen sollen 1 und 5 Rupie-Stücke in
Moskau geprägt worden sein, datiert auf Jahr 2000 und wahrscheinlich mit
Münzzeichen " M " oder " MM".
Alle im Ausland geprägte Münzen für Indien haben
eindeutige mit der RBI abgestimmte Münzzeichen. Die Münzzeichen befinden sich
immer unter dem Datum. Trotzdem gibt es in der Fachpresse unterschiedliche
Aussagen zu Prägeorten und Zeichen der letzten 4 Jahre. Mexico-City hat ein
kleines " O " über einem großen " M " welches wahrscheinlich
auch für die normalen Umlaufmünzen genutzt wird. Kremnica hat ein eingekreistes " MK ", welches auch für
die slowakischen Prägungen benutzt wird.
Die 2 Rupie süd-koreanischen Prägungen von 1997
und 1998 haben einen kleinen fünf-zackigen Stern unterhalb des letzten Zahl des
Datums, ähnlich dem Stern von der Ausgabe der 50 Paise Münzen von 1985 (Stern
unter 1 von 1985) bei der man annahm, dass sie in Seoul (Südkorea) geprägt
wurde. Einige Fachleute haben diese Prägungen auch Mexico zugeordnet - was ich
aber bezweifel.
Es ist aber auch zweifelhaft ob es in Soul eine
große Münze gibt. Die Hauptmünze (Druck- und Prägekomplex) befindet sich in
Kyongsan (Südkorea).
Die südafrikanische Münze in Pretoria prägte die 2
Rupees 1998 mit einem " M " im ovalen Halbkreis umschlungen. Dieses
Münzzeichen basiert auf dem modernen Firmenzeichen dieser Münze. Dieses
Münzzeichen wird aber auf keinen anderen süd-afrikanischen Münzen verwendet.
Münzzeichen auf ausländische Prägungen:
Birmingham (England):
'H' unter der '5' vom Datum 1985 (Rupie) ('H' = Heaton von Fa. Ralph Heaton
& Sons, U.K.) Wird auch für englische
Medaillen-Prägungen verwendet.
London (England): ein Punkt unter der '1' vom Datum 1985 (Royal Mint London) ‑
Rupie
Seoul (Südkorea): Ein Stern unter der '1' vom Datum 1985 ( 50 Paise) (Hyndai Corporation Seoul‑South Korea)
bzw. bei 2-Rupie 1997/98.
Ottawa (Kanada): ein 'C'
unter dem Datum 25 Paise, 1985 und Stahlmünzen: 10 P., 25 P. and 50 P. von
1988. (Royal Canadian
Mint, Ottawa Canada)
Mexico-City (Mexico): kleines 'o' über 'M'
unter dem Datum 1997 ‑ Stahl- 1-Rupie, ?ein Stern unter der '7'
von 1997 ‑ bei Stahl 2-Rupie?.
Kremnica (Slowakai): 'MK' im Kreis
Pretoria (Südafrika): 'M' oberhalb mit ovalen Halbkreis umschlungen für 2
Rupie 1998
Moskau (Russland): 'M' oder 'MM'? für 1- und 5-Rupie 2000
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