Vortrag und Ausstellung vor der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V. in Berlin April 2000

Dipl.-Informatiker Dieter Baumgarten e-mail    post @ Dieter-Baumgarten.de  Internet www.bharat.de


Münzgeschichte Indiens (Kurzfassung)

 

 

Vorwort - Bedeutung der Numismatik - Allgemeine Entwicklung des Geldes

 

 

Erst nach der Einreise kann Geld eingetauscht werden. Die Indische Rupie darf nicht in das Ausland ausgeführt werden. (1 Rupee = 100 Paise)

Beim ersten Umtausch von eventuell 100 Euros bekommt der Reisende ein dickes Bündel an Geld.

100 Euros entsprechen zur Zeit 5.667 Rupies, also bei 100 Rupie-Scheinen wären es mehrere dicke Bündels. Heute werden diese Bündel bei den meisten Banken mit Klebebanderolen und Gummi zusammengehalten. Aber noch oft findet man Geldscheine mit unterschiedlich großen Löscher in der Mitte. Hier wurden Scheine mit großen Klammern zusammengetuckert. Sie sind trotz der Löcher gültig, nur eingerissen dürfen sie nicht sein. Dem unwissenden Ausländer wird natürlich versucht, diese Scheine unterzuschieben und man hat dann selber größte Probleme sie wieder los zu bekommen. Selbst Bettler wollen sie nicht.  

Bei einem Kurs von 1 Euro zu ca. 55 bis 57 Rupies hat das Kleingeld für uns Europäer kaum Bedeutung. 1 Rupie sind ca. 2 Cent, 25 Paise nur ½ Cent. Der Bettler auf der Straße erwartet vom „reichen Ausländer“ auch keine Paisa-Stücke mehr, aber trotzdem hat das Hartgeld in Indien seine Bedeutung noch nicht verloren. Für wenige Paise erhält man Chai (an jeder Ecke die ewig im Topf kochende Mischung aus Tee und Milch, reich gewürzt). In einigen Städten findet man noch die Geldwechsler auf der Straße vor ihrem aufgetürmtem Kleingeld. Vor einigen Jahren hatten die Geldstücke noch die unterschiedlichsten Formen, 4- und 6-eckig, gewellter Rand, heute sind es nur noch die gewohnten runden Formen aus Stahl- oder Nickellegierungen. An Paise-Stücke werden nur noch 50 Paise herausgegeben, ansonsten 1, 2 oder 5 Rupies, ab Ende 2005 wahrscheinlich auch 10 Rupies als Umlaufgeld.

 

Für Numismatiker ist es aber eine Qual. Beim Juwelier bekommt man alte Silber-Rupies, teilweise nach Katalogwert, aber auch abgewogen nach Gewicht. Münzhändler haben oft einen kleinen Verschlag auf dem Markt, wo kunterbunt in verschiedenen Schachteln und Schüsseln, nach unerklärbaren Prinzip die Münzen aufbewahrt werden. (Briefmarken stapelweise zusammengeklebt). Der Preis wird recht unkundig vorgegeben. Auf Anfragen kramen auch Straßenhändler aus ihrem Sortiment ein paar Münzen heraus und wollen utopische Preise. Andere Händler verschleppen einen durch dunkle Gassen, in irgendwelche Hinterhöfe, wo kupferne Töpfe mit undefinierten Kleingeld zur Auswahl stehen, neben angeblichen Antiquitäten die zu einem „billigen“ Preis zu haben sind. 

Dabei hat Indien eine der ältesten und abwechslungsreichsten Entwicklung im Münzwesen.

Und die Numismatik spielte bei der Entschlüsselung der Geschichte Indiens auch eine entscheidende Rolle. Durch Münzen hat man manchmal mehr Informationen gefunden als durch andere historische Hinterlassenschaften, sie widerspiegeln die menschliche Geschichte über 2.500 Jahre hinweg. Moderne Forschungen führten zu Entdeckungen von Hinweisen auf vielen Könige und auch gesamter Dynastien, von denen keine anderen Hinweise existieren - außer den Münzen. Die alten Schriften Indiens Kharosthi und Brahmi konnten an Hand  von zweisprachigen Münzen der indio-griechischen Zeit entziffert werden (durch James Princep). Dadurch erst war es den Historikern möglich, eingravierte Schriften auf Felsen und andere Beschreibungen zu lesen und folglich eine vollständige Geschichte vom altem Indien zu erarbeiten.

 

Das systematische Sammeln der Münzen fing während der Renaissance an, als wohlhabende Bewunderer der alten griechischen und römischen Zivilisationen Sammlungen von Münzen aufstellten. Zusätzlich zum historischen und ästhetischen  Interesse werden Münzen häufig als Investition gesammelt. Der Wert von älteren Münzsammlungen erhöht sich normalerweise  mit der Zeit. Seltenheit und physischer Zustand von Münzen sind wichtige bestimmende Faktoren des Wertes.

 

Heute ist die aktuelle Numismatik für Sammler nicht mehr ganz so populär, wie vor 30-40 Jahren. Sie dient heute mehr dem reinen Sammler aus Leidenschaft als dem Sammler mit Blick auf Wertsteigerung. Die heutigen Umlaufmünzen haben keinen Metallwert mehr, werden in Massen herausgegeben und unterscheiden sich kaum noch (selten Fehlprägungen, außer bei indischen Münzen J). Speziell für Sammler herausgegebene Stücke, teilweise aus Edelmetallen, haben oft nur Medaillencharakter.

 

Welche Bedeutung hatte und hat eigentlich Geld ? (außer, dass es immer zu wenig ist- was man hat)

Zu Beginn des aktiven Handels zwischen Menschen wurde unmittelbar "Ware gegen Ware" eingetauscht. Probleme gab es durch Warentransport, Beschaffung der geeigneten Tauschgüter, Warenbewertung, Verderblichkeit und Unteilbarkeit mancher Güter.

Naturgeld (Zwischentauschmittel) waren Gebrauchs- und Schmuckgegenständen (z.B. Beile, Äxte, Spieße, Trommeln, Ringe, Muscheln, Perlen), aber auch von Lebensmitteln, Bekleidung und Vieh (wie Zucker, Kakao, Tee, Stockfisch, Mandeln, Salz, Tabak, Leinwand, Felle, Seide, Baumwolle). Der Wert der Tauschgegenstände war allgemein bekannt, leichter transportierbar und teilbarer. Naturaltausch und Naturalgeld wurde sogar noch im 15. Jahrhundert angewendet. (z.B. englisch-isländische "Stockfisch"-Währung)

Die bekannteste Form des Naturalgeldes dürfte die Kaurischnecke sein, die auch heute noch unter den Namen "Diwarra" und "Tambu" in Melanesien (Südsee) gültiges Zahlungsmittel ist.

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird auch in unseren Breitengraden manchmal wieder auf die Urform des Geldes zurückgegriffen (z.B. "Zigarettenwährung" nach dem Zweiten Weltkrieg oder Beziehungs-/Warentausch zu DDR-Zeiten).

Als besonders geeignetes Zwischentauschmittel wurden schließlich die Metalle (wie Gold, Silber, Kupfer) erkannt. Aus den Anfängen dieser Entwicklung stammt der Begriff des Wägegeldes, d.h., die zur Zahlung verwendeten Metalle wurden abgewogen (vgl. Geldnamen wie Pfund, Lire). Später erhielten die Metalle bestimmte Formen, sie wurden in Ringe, Stäbe und Barren gegossen (vgl. Geldnamen wie Rubel, Mark). Ungefähr 650 Jahre v.Chr. wurden die ältesten uns bekannten Münzen von den Lydern (König Krösus) in Kleinasien hergestellt. Zunächst wurden vollwertige Kurantmünzen aus Gold und Silber, später durchwegs unterwertige Scheidemünzen geprägt. Silber war lange Zeit das führende Münzmetall. Babylonier, Ägypter, Griechen, Inder und Römer verfügten schon über geprägtes Metallgeld als Europa noch in der Barbarei lebte. 1000 Jahre nach den Römern zahlte man in Brandenburg und Mecklenburg noch mit ungeprägtem Metallgeld.

Das Prägen von Münzen war schon immer ein alleiniges Recht der herrschenden Regierung. In speziellen Münzstätten wurden Metalle (Gold- und Silberbarren)  geschmolzen und auf eine flache Oberfläche oder in eine Form gegossen  Auf diese Blanko-Münze (Planchet) wurden dann vereinbarte Markierungen, später Bilder aus dem Leben und Vorstellungen (Götter) der Menschen, Herrscherabbildungen und auch schriftliche Hinweise zu Herrscher, Land, Zeit und Wert mit einem oberen und unteren gravierten Stempel aus Bronze oder Eisen per Hammerschlag eingeprägt.

Im Mittelalter wurde Metall zu Blechen gehämmert, aus denen dann die Blanko-Münzen gestanzt wurden. Das Auswalzen der Metalle zu Blechen und Prägen durch Hämmern konnte im Zuge der Mechanisierung durch neue Walzen- und Pressen-Technologie verbessert werden. Bis heute sind die Produktionstechniken in den Grundschritten geblieben :  aus Walzblechen werden Münzrohlinge gestanzt, eventuell thermisch und chemisch behandelt, Münzränder werden bearbeitet (z.B. geriffelter Rand) und über Münzpressen geprägt. Höchstgeschwindigkeits-Pressen können heute bis zu 40.000 Münzen pro Stunde prägen!

Die Ausweitung des Handels im Mittelalter und damit auch des Geldverkehrs, aber auch die regionale oder zeitweise Knappheit von Geld führte zur Erfindung des Papiergeldes als Ersatz für das schwere Münzgeld. Man berichtet z.B. vom einem Kommandanten der spanischen Festung Alham de Granada, der während der Belagerung 1438 n.Chr. durch die Mauren fehlendes Münzgeld durch Papierzettel mit Wertangabe und Siegel ersetzte und deren Annahme zwingend für jedermann vorschrieb. Das erste Papiergeld war also als Anweisung zur Auszahlung von Münzgeld gedacht. Als die eigentlichen Erfinder des Papiergeldes gelten die Chinesen. Marco Polo fand auf seinen Reisen 1276 kaiserliche Banknoten aus Papier. Wieder einer anderen Schilderung zufolge gilt der Schwede Johan Palmstruch (1661) als "Erfinder" des Papiergeldes. Papiergeld braucht Vertrauen, d.h., es muss von jedermann jederzeit in Waren oder andere Vermögenswert umgetauscht werden können. In früherer Zeit wurde dieses Vertrauen durch eine vollständige Golddeckung - im Laufe der Geschichte nunmehr durch eine teilweise Deckung gestützt. Heute besteht keine  Golddeckungspflicht der Notenbanken mehr (freie Währung). Die Deckung in Deutschland besteht allein im Vertrauen der Kaufkraft.

 

In der modernen Volkswirtschaft spielt das Bargeld keine führende Rolle mehr. Das Buch- oder Giralgeld, über das man z.B. mit Scheck und Überweisung verfügen kann, ist die moderne Geldform. Die Italiener bedienen sich dieser Form des Geldes bereits seit mehr als 300 Jahren durch die Übertragung von Guthaben in den Büchern der Banken. Als die vielen Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (Scheck, Überweisung, Dauerauftrag, Lastschrift) mehr und mehr erkannt wurden, führte dies Anfang der 60er Jahre zu einer raschen Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung, und der Umgang mit Buchgeld ist heute etwas Selbstverständliches.

 

Aber gehen wir 2.500 Jahre kurz zurück.

 

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